Auf ein Wort

Aus der Predigt von Papst Franziskus am Hochfest der Erscheinung des Herrn 2022

Die Sterndeuter reisen nach Betlehem. Ihre Pilgerschaft möchte auch uns etwas sagen: Wir sind gerufen, auf Jesus zuzugehen, denn er ist der Polarstern, der die Himmel des Lebens erhellt und unsere Schritte zur wahren Freude lenkt. Doch wo begann die Pilgerschaft der Sterndeuter zu Jesus? Was bewegte diese Männer aus dem Osten, sich auf Reisen zu begeben?

Wie für die Sterndeuter so gilt auch für uns: Die Reise des Lebens und der Weg des Glaubens benötigen Sehnsucht, inneren Schwung. Zuweilen leben wir in einem Geist des „Parkens“, wir leben geparkt, ohne diesen Schwung der Sehnsucht, der uns voranbringt. Es tut uns gut, uns zu fragen: Wo stehen wir auf der Reise des Glaubens?

Zunächst brechen sie mit dem Aufgang des Sterns auf: Sie lehren uns, dass wir jeden Tag neu beginnen müssen, im Leben wie im Glauben.

Die Sterndeuter fragen sodann in Jerusalem: Sie fragen, wo das Kind ist. Sie lehren uns, dass wir Fragestellungen benötigen, dass wir aufmerksam auf die Fragen des Herzens und des Gewissens hören müssen.

Ferner fordern die Sterndeuter Herodes heraus. Sie lehren uns, dass wir eines mutigen Glaubens bedürfen, der sich nicht scheut, der finsteren Logik der Macht zu trotzen.

Schließlich zogen die Sterndeuter »auf einem anderen Weg« (Mt 2,12) heim: Sie fordern uns heraus, neue Wege zu gehen. Das ist die Kreativität des Geistes, der immer neue Dinge tut.

Am Höhepunkt der Reise der Sterndeuter steht jedoch ein entscheidender Moment: Als sie an ihrem Ziel ankommen, »fallen sie nieder und beten das Kind an« (vgl. V. 11). Sie beten an. Denken wir daran: Die Reise des Glaubens findet nur in der Gegenwart Gottes Schwung und Erfüllung. Nur wenn wir den Geschmack an der Anbetung wiederfinden, wird die Sehnsucht erneuert.

Und wenn wir so voranschreiten, werden wir wie die Sterndeuter die Gewissheit haben, dass selbst in den dunkelsten Nächten ein Stern leuchtet. Es ist der Stern des Herrn, der kommt, um sich unserer zerbrechlichen Menschheit anzunehmen. Lasst uns zu ihm aufbrechen.